Donnerstag, 18. April 2019

Gutes Leben und Klimawandel – 3 Tipps für #FridaysForFuture

Verantwortungsvolles Handeln im Hinblick auf den menschgemachten Klimawandel, ist keine leichte Sache. Das zeigen die Anfeindungen und die Unsachlichkeit, mit denen #FridaysForFuture abqualifiziert wird. Ungefragt möchte ich drei Probleme knapp darstellen, mit den jeder konfrontiert ist, der versucht sich für Klimaschutz wirksam einzusetzen. Zu jedem gebe ich dann auch einen Tipp

Das erste Problem ist, das der Klimawandel ein globales Problem ist. Deshalb sind weder Klimaschutzmaßnahmen einzelner Menschen noch einzelner Staaten erfolgsversprechend. Klimapolitik ist eine gemeinsame Aufgabe für alle Staaten, insbesondere für die Industriestaaten. Die Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens sind ein erster Schritt. Die Forderung von #FridaysForFuture, dass die vereinbarten Ziele erreicht werden müssen, ist berechtigt. Mittelfristig müssen noch ambitionierte Ziele vereinbart werden. Die entwickelten Industriestaaten sind dazu angesichts der hohen Emissionen in Vergangenheit und Gegenwart besonders verpflichtet. Zudem ist es notwendig, dass es in den Industriestaaten gelingt, Wohlstand und Nachhaltigkeit zu vereinen. Nur so können sie ein Vorbild für die globale Entwicklung sein.

Tipp: Es gilt denn massiven öffentlichen Druck möglichst international aufrecht zu erhalten, um die Klimapolitik auf die Spur zu bringen. Nutzt die Möglichkeiten des Internets zur Mobilisierung. Zeigt, was ihr unternehmt und zeigt, dass es euch wichtig ist.

Dabei werde ihr einen langen Atem brauchen. Denn die Einzelinteressen von wenigen, die durch Klimaschutzmaßnahmen Nachteile befürchten müssen, sind leicht zu organisieren und können wirksam vertreten werden. Es ist aber schwierig, ein allgemeines Interesse, insbesondere eines zukünftiger Generationen, politische zu organisieren und zu vertreten. Klimafreundliche Politik ist ein ziemlich abstraktes Anliegen, da die unmittelbaren Auswirkungen auf das Leben des Einzelnen nicht einfach beeinflusst werde können. Für den Klimaschutz setzt man sich - günstigenfalls - aufgrund von Wissen, Einsicht und Verantwortungsbewusstsein ein. Dies ist ein relativ schwaches Motiv für politische Prioritäten und entsprechendes politisches Handeln.

Tipp: Versucht darauf hin zu wirken, dass ihr selbst und die Öffentlichkeit sich die Probleme des Klimawandels bewusst machen. Fördert das Wissen zum Klima und fordert Bildungsangebote hierzu. Werbt für Maßnahmen, um das Klima zu schützen. Seid dabei beharrlich, die Vernunft ist auf eurer Seite.

Verbreitet dabei keine Weltuntergangsszenarien und bleibt realistisch in euren Forderungen. Denn gegen Klimapolitik gibt es in weiten Bevölkerungsteilen beträchtliche Widerstände. Zwar wird die hohe Bedeutung auf rationaler Ebene anerkannt, trotzdem werden Personen und Parteien, die sich fürs Klima einsetzen, als bigotte Verzichtsapostel und verbotswütige Spaßbremsen denunziert. Eine Erklärung für diesen Furor kann möglicherweise in der Psychologie gefunden werden. Davon verstehe ich nicht viel. Ansätze zu Erklärung können zum einen in der Verdrängung der persönlichen Verantwortung gesehen werden. Zum anderen ist es dankbar, dass für einige der Hinweis auf die erforderlichen Maßnahmen für den Klimaschutz als Angriff auf das Selbstbild z.B. als Wohlstandbürger, Autofahrer, Fernreisender oder Villenbewohner empfunden wird.

Im Ergebnis bedeutet dies, dass einige vom Einsatz für den Klimaschutz absehen, da sie sich diesen Vorwürfen nicht aussetzen möchten. Für politische Akteure im Wettbewerb schränkt die Gefahr der Diffamierung den Handlungsspielraum für klimapolitische Initiativen weiter ein. Neben den materiellen Interessen von denen, welchen durch Klimaschutzmaßnahmen Kosten entstehen, sind sie gefordert, auch die genannten Empfindlichkeiten zu berücksichtigen.

Tipp: Bemüht euch darum, Klimaschutz auch im Alltag glaubwürdig verkörpern. Versucht dabei maßvoll zu bleiben und betont den Gewinn eines nachhaltigeren Lebensstils für jeden einzelnen.

Denn bei Klimaschutz gilt das Bonmot, wonach der Wegweiser den Weg nicht selbst geht, den er weist, eben nicht. Es ist für die Klimaaktivist zwingen, auch persönlich als Klimaschützer glaubwürdig zu sein. Wir müssen ihn durch unser alltägliches Handeln verkörpern. Aber nicht zu offensiv, weil das wieder Ablehnung provozieren würde. Der wirksame, da glaubhafte Einsatz für den Klimaschutz ist in besondere Weise ein Problem des rechten Maßes. Was wir unbedingt vermeiden müsen, ist es aufgrund fragwürdiger Lehren zu handeln. Insbesondere wenn sie mit hohem Aufwand oder Verzicht einhergehen, aber keine klimaschonende Effekte oder sogar klimaschädliche Effekte bringen. Es ist zum Beispiel fragwürdig, aus Gründen des Klimaschutzes auf Plastikverpackungen zu verzichten. Plastikverpackungen können zu problematischer Umweltverschmutzung führen. Aber jeder kann das in der entwickelten Welt leicht vermieden, indem die Abfälle ordnungsgemäß entsorgt. Für den Ressourcenverbrauch insgesamt bieten Plastikverpackungen aber viele Vorteile, da sie leicht sind und die Haltbarkeit vieler Lebensmittel verlängern.

Glaubwürdiger ist es, die großen Posten beim Energieverbrauch anzugehen: Wohnen/Heizen und alltäglicher Verkehr. Auf diese beiden Verbrauchsarten entfallen mehr als die Hälfte der Emissionen. Als junger Mensch, der sein Leben erst noch einrichtet, ist es relativ leicht möglich, diese Verbrauchsarten gering zu halten. Wir haben als fünfköpfige Familie z.B. kein Auto und leben in einer 90m²-Wohnung. Ohne Auto zu leben fällt uns leicht, da ich aus gesundheitlichen Gründen kein Auto steuern möchte und meine Frau auch nur ungern fährt. Es fällt uns auch leicht, weil wir in zentraler Lage in einer Großstadt leben und die alltäglichen Besorgungen zu Fuß oder mit dem Rad erledigen können. Was die Wohnung betrifft, so wünschen wir uns manchmal ein Zimmer mehr, aber der Wohnungsmarkt ist ohnehin so verrückt, dass wir auf keinen Fall eine andere Wohnung suchen wollen.

Unsere privaten Beiträge zum Klimaschutz sind im globalen Maßstab zu vernachlässigen. Deshalb müssen wir auch darüber reden. Wichtig ist dabei die Art und Weise, wie wird darüber reden. Mit Verzichtsrhetorik werden wir wenig erreichen. Es geht darum, die nachhaltigere Lebensweise als einen Gewinn darzustellen. Für uns bedeutet es keinen Verzicht, kein Auto zu besitzen, sondern es spart uns Nerven, Zeit (Parkplatzsuche entfällt) und eine Stange Geld. Auch die Wohnung bedeutet keinen Verzicht, sondern sie hilft uns dabei, nicht allzu viel unnützen Krempel an zu häufen und Zeit bei der Hausarbeit zu sparen. Im Gespräch mit Jemand, der sich gerade ein Häuschen im Grünen gekauft hat und mit dem Auto zu Arbeit pendeln (muss), würde ich diese Vorteile betonen. Kritik an seinem Energieverbrauch für Wohnen und Pendeln würde ich mir aber verkneifen. Diese Kritik könnte ihn nur verärgern, da nun, da das Haus gekauft und eingerichtet ist, diese Entscheidungen nicht einfach rückgängig gemacht werden können. Stattdessen würde ich mich bei ihm erkundigen, ober er z.B. ein Photovoltaikanlage betreiben kann.

CC BY-NC-SA 3.0 DE

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